Missbrauch von Telazol: ein Beruhigungsmittel für Tiere

Hintergrund: Telazol (Tiletaminhydrochlorid 50 mg/ml, Zolazepamhydrochlorid 50 mg/ml) wird in der Veterinärmedizin als Kleintieranästhetikum eingesetzt. Telazol ist in seiner Wirksamkeit mit Ketamin vergleichbar und war in Verbindung mit Ketamin für einen gemeldeten Todesfall beim Menschen verantwortlich. Wir berichten über den Fall einer Frau, die Telazol missbraucht hat.

Fallbericht: Eine 30-jährige Mitarbeiterin eines örtlichen Zoos wurde von Kollegen in einem sauberen Tierbehandlungsraum nicht ansprechbar aufgefunden. Ersten Berichten zufolge hatte sie Diazepam und Telazol in Tierarztqualität injiziert. Die Sanitäter vor Ort berichteten, dass sie ohnmächtig und auf tiefe Schmerzreize ansprechbar war, wobei der Würgereflex intakt war. Der systolische Blutdruck betrug beim Abtasten 90 mm Hg. Am rechten Arm befand sich ein frischer Nadeleinstich; in der Nähe lagen eine Spritze, ein Tourniquet und Flaschen mit jedem Medikament. In der Notaufnahme wurden die Atemwege, die Atmung, der Kreislauf und der intravenöse Zugang untersucht. Sie wurde gespült und erhielt Aktivkohle und ein kathartisches Mittel. Kurz nach ihrer Ankunft war sie wach und orientiert. Die Familienmitglieder betonten, dass es sich nicht um eine Überdosis handelte. Die Patientin war zuvor wegen gemeldeter Synkopen, die „nur abends bei der Arbeit“ auftraten, untersucht worden und hatte Diazepam gegen Angstzustände verschrieben bekommen. Die Produktinformationen über Telazol beschränkten sich auf die Veterinary Drug Physician’s Desk Reference. Ein Urintest auf Drogenmissbrauch war positiv für Benzodiazepine und Cannabinoide. Die Patientin gab daraufhin an, Telazol in ihrer Freizeit konsumiert zu haben. Sie wurde 12 Stunden nach der Einlieferung in eine stationäre Entgiftungseinrichtung entlassen.

Schlussfolgerung: Telazol, das in der Veterinärmedizin als Narkosemittel verwendet wird, ist strukturell mit Ketamin verwandt. Telazol bewirkt eine fast sofortige narkotisierende Wirkung, und plötzliche Wachheit ist nicht ungewöhnlich, wenn die Wirkung der Droge nachlässt. Es ist unwahrscheinlich, dass Telazol in Urinuntersuchungen auf Drogenmissbrauch nachgewiesen wird. Wir berichten über eine Tierärztin, die Telazol missbraucht hat.

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