Hält uns das Hayflick-Limit vom ewigen Leben ab?

Die Entdeckung des Hayflick-Limits bedeutete einen radikalen Wandel in der wissenschaftlichen Betrachtung der zellulären Reproduktion. Vor der Entdeckung des Arztes ging man davon aus, dass Zellen zur Unsterblichkeit fähig seien. Obwohl das Phänomen des Hayflick-Limits nur in vitro untersucht wurde, wurde es schließlich in der wissenschaftlichen Gemeinschaft allgemein als Tatsache akzeptiert. Jahrzehntelang sah es so aus, als sei die Grenze unüberwindbar, und so scheint es auch heute noch zu sein. Im Jahr 1978 jedoch brachte die Entdeckung eines Abschnitts nicht-replizierender DNA in den Zellen, der Telomere genannt wird, Licht in die Möglichkeit der zellulären Unsterblichkeit.

Telomere sind sich wiederholende DNA-Stränge, die sich an den Enden von Chromosomenpaaren in diploiden Zellen befinden. Diese Stränge werden in der Regel mit den Plastikenden von Schnürsenkeln (den sogenannten Aglets) verglichen, die verhindern, dass die Schnürsenkel ausfransen. Telomere bieten den Chromosomen den gleichen Schutz, aber das Telomer am Ende jedes Chromosomenpaares wird bei jeder Zellteilung verkürzt. Schließlich ist das Telomer erschöpft, und die Apoptose beginnt.

Werbung

Werbung

Die Entdeckung der Telomere unterstützte die Hayflick-Grenze; schließlich war dies der physikalische Mechanismus, durch den Zellen in die Seneszenz eintraten. Knapp ein Jahrzehnt später wurde jedoch ein weiterer Durchbruch bei der Zellalterung entdeckt. Telomerase ist ein Protein, das in allen Zellen vorkommt, aber in normalen Zellen ist es ausgeschaltet – es tut nichts. In abnormalen Zellen wie Tumoren und Keimzellen ist die Telomerase jedoch recht aktiv: Sie enthält eine RNA-Vorlage, die in der Lage ist, neue Telomere an den Enden der Chromosomen in alternden Zellen zu produzieren.

Die Telomerase hat die Alternsforscher aus zwei Gründen begeistert. Erstens: Da sie in Tumoren natürlich aktiv ist und in Urinproben nachgewiesen werden kann, kann der Test auf Telomerase zu einer effektiveren Untersuchung von Krebspatienten führen. Zweitens haben Forscher herausgefunden, wie man Telomerase extrahieren und synthetisieren kann. Wenn normale erwachsene Zellen mit aktiver Telomerase versetzt werden, können sie sich möglicherweise bis weit über ihre Hayflick-Grenze hinaus vermehren. In einer Studie, die diesen Gedanken unterstützt, berichteten Forscher, dass Zellen, denen sie Telomerase zugefügt hatten, sich 20 Mal öfter repliziert hatten, als es ihre normale Lebensspanne vermuten ließe – und sich immer noch teilten.

Die Wissenschaft muss noch endgültig beweisen, dass Telomerase zelluläre Unsterblichkeit erzeugen kann. Neben der Zerstörung der Telomere scheinen unzählige weitere Faktoren am programmierten Zelltod beteiligt zu sein. Solange die Menschen jedoch den Tod fürchten, wird es immer wieder Forschungen geben, die darauf abzielen, diese natürlichen Hindernisse für unsere Unsterblichkeit, ob zellulär oder nicht, zu überwinden.

Werbung

Schreibe einen Kommentar