6 Tipps, um den manuellen Modus Ihrer Digitalkamera zu meistern

Neue Fotografen – und sogar solche mit etwas Erfahrung – haben oft Angst vor dem manuellen Modus ihrer Digitalkameras. Ähnlich wie bei der Verwendung eines Smartphones zum Festhalten von Erinnerungen ist es bequem, einfach auf das Motiv zu zielen und die Kamera die Einzelheiten der Belichtung regeln zu lassen. Lohnt es sich wirklich, das Risiko einzugehen, die Belichtung manuell einzustellen, nur um dann möglicherweise den Moment zu verpassen? Mit einem Wort: Ja.

Das kreative Potenzial, das mit der Aufnahme im manuellen Modus Ihrer Digitalkamera einhergeht, wird Ihre Fähigkeiten (und die Qualität Ihrer Bilder) auf ein neues Niveau heben. Das Beste daran ist, dass es gar nicht so schwierig ist, die volle Kontrolle über Ihre Kamera zu haben. Wie bei allen kreativen Tätigkeiten, die man erlernen möchte, gilt: Je mehr man übt, desto besser wird man, desto einfacher wird es, und desto mehr Spaß macht es.

Moderne Kameras sind vollgestopft mit Hightech-KI und jeder Menge Optionen. Ich hatte das Glück, mit einer Kamera zu beginnen, die nichts von alledem hatte. Ich habe mit meiner schönen alten Nikkormat FTN angefangen, einer Nikon, die jetzt 53 Jahre alt ist und immer noch gut funktioniert. Bei dieser Kamera gibt es keine automatische Einstellung. Ich musste lernen, ISO, Blende und Verschlusszeit (auch bekannt als Belichtungsdreieck) zu verwenden, um gut belichtete Fotos zu erhalten. Das ist alles, nur drei Einstellungen.

Hier sind sechs Tipps, die Ihnen helfen, den manuellen Modus vor Ihrer nächsten Aufnahme zu beherrschen:

Tipp 1: Verpflichten Sie sich, den manuellen Modus zu beherrschen

Ich habe vor kurzem das Tippen gelernt. Ich kann jetzt tippen, ohne auf meine Finger zu schauen (meistens). Ich habe vor über dreißig Jahren angefangen, eine Schreibmaschine zu benutzen, aber ich habe mir nie die Mühe gemacht, das Tippen zu lernen. Am Computer habe ich hauptsächlich mit der Maus und einem Tablet gearbeitet. Als ich mich entschlossen hatte, zu lernen, nicht nach unten zu schauen, hat es nicht lange gedauert. Ich habe ein paar Tutorials besucht und jeden Tag geübt.

Auf die gleiche Weise kannst du den manuellen Modus deiner Kamera beherrschen. Wenn Sie Ihre Kamera einmal auf manuell eingestellt haben und es dabei belassen, werden Sie überrascht sein, wie selbstverständlich Sie damit umgehen können.

Tipp 2: Lesen Sie Ihren Belichtungsmesser oder Monitor ab

Gut belichtete Fotos entstehen, wenn der elektronische Sensor oder der Film die „richtige“ Menge an Licht aufnimmt. Der Belichtungsmesser oder Monitor Ihrer Kamera gibt Ihnen Auskunft über die Belichtung. Alle modernen Kameras haben einen Belichtungsmesser. Wenn Sie bei vielen Kameras im manuellen Modus arbeiten, sehen Sie den Einfluss Ihrer Belichtungseinstellungen auf dem Monitor, während Sie Anpassungen vornehmen.

Im Grunde müssen Sie nur sicherstellen, dass der Belichtungsmesser Null anzeigt oder das Bild auf dem Kameramonitor gut aussieht. Das erreichen Sie, indem Sie ISO, Blende und Verschlusszeit einstellen.

Tipp 3: Beginnen Sie mit ISO

Beim Einlegen einer Filmrolle in meine alte Nikkormat oder eine andere Filmkamera wurde der ISO-Wert festgelegt. Bei Digitalkameras ist diese Einstellung viel flexibler. ISO ist ein Maß dafür, wie lichtempfindlich der Film oder der elektronische Sensor ist.

ISO 400 ist die Einstellung, die ich am häufigsten verwende. Wenn das Licht sehr hell ist, stelle ich ihn niedriger ein, auf 100 oder 200. Wenn nicht so viel Licht vorhanden ist, z. B. in Innenräumen oder bei Nacht, stelle ich eine höhere ISO-Zahl ein. Bei höheren ISO-Einstellungen verschlechtert sich die Bildqualität, daher ist es am besten, sie niedrig zu halten.

Betrachten Sie Ihren ISO-Wert als Grundlage für Ihre Belichtung. Passen Sie ihn nur dann an, wenn es aufgrund der gewählten Blende und Verschlusszeit erforderlich ist.

Tipp 4: Passen Sie die Verschlusszeit an, um die Bewegung zu kontrollieren

Ihre Kamera hat einen Verschluss eingebaut. Wie Jalousien oder Vorhänge lässt sie Licht herein, wenn sie geöffnet ist. Je länger sie geöffnet ist, desto mehr Licht fällt ein und beeinflusst den Sensor oder den Film. Die Verschlusszeit wird in Sekundenbruchteilen oder ganzen Sekunden gemessen.

Die sich bewegenden Personen sind unscharf, weil meine Verschlusszeit zu lang war, nur 1/4 Sekunde.

Wenn sich etwas in der Szene, die Sie fotografieren, bewegt, wirkt sich die Wahl der Verschlusszeit auch auf das Ergebnis des Fotos aus. Wenn sich während einer langen Belichtungszeit etwas in der Szene bewegt, erscheint es auf dem Foto unscharf. Wenn sich Ihre Kamera bei einer langen Verschlusszeit bewegt, kann dies ebenfalls zu Unschärfen führen.

Wählen Sie eine Verschlusszeit von 1/250 Sekunde oder kürzer, um Unschärfen durch Kamerabewegungen und Motive zu vermeiden, es sei denn, Ihr Motiv bewegt sich schnell. Beim Fotografieren von Motiven wie fliegenden Vögeln, Autorennen oder Boxen müssen Sie eine kürzere Verschlusszeit wählen, um Bewegungsunschärfe zu vermeiden.

Tipp 5: Passen Sie die Blende an, um die Schärfentiefe zu steuern

Das Objektiv Ihrer Kamera hat eine Blende, die sogenannte Apertur. Sie können diese in verschiedenen Stufen öffnen oder schließen, um mehr oder weniger Licht hereinzulassen. Die Blendeneinstellungen werden in Blendenstufen gemessen.

Die gewählte Blende hat auch Einfluss darauf, wie viel von Ihrem Foto im Fokus ist. Dies wird als „Schärfentiefe“ bezeichnet. Wenn die Blende weiter geöffnet ist und mehr Licht durchlässt, wird weniger auf dem Foto scharf abgebildet. Die Schärfentiefe hängt nicht nur von der Blendeneinstellung ab, sondern auch von einer Reihe anderer Faktoren, wie z. B. den folgenden:

  • Die Größe des Sensors Ihrer Kamera
  • Das verwendete Objektiv
  • Der Abstand zwischen dem Motiv und der Kamera

Wenn Sie eine sehr hohe Blendenöffnung wählen, z. B. f/22, gelangt weniger Licht auf den Sensor, da die Öffnung der Blende sehr eng ist. Bei einer größeren Blendeneinstellung kann mehr Licht in das Objektiv eindringen und den Sensor beeinflussen. Eine Blendeneinstellung von f/2,8 bei einem 105-mm-Objektiv führt zu einem unscharfen Hintergrund, wenn Sie nahe genug an Ihrem Motiv sind, wie im folgenden Beispiel.

Tipp 6: Gleichen Sie die Belichtung mit allen drei Einstellungen aus

Die richtige Einstellung von ISO, Blende und Verschlusszeit ist für gut belichtete Fotos unerlässlich. Das bedeutet nicht, dass Sie die Belichtung immer neutral einstellen müssen (wie in Tipp Nr. 2 oben beschrieben). Vielleicht möchten Sie eine Szene unterbelichten, um sie dramatischer zu gestalten, oder Ihr Stil tendiert eher zu einem hellen und luftigen Look. In jedem Fall müssen Sie die Belichtung ausgleichen, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Wenn Sie lernen, mit dem Belichtungsmesser das Licht richtig einzuschätzen, können Sie fundierte Entscheidungen treffen und die Bilder erstellen, die Sie sich vorstellen.

Kamerabelichtungsmesser sind so kalibriert, dass sie von einem mittleren Grauton aus messen. Wenn Sie sehr helle oder dunkle Motive fotografieren, zeigt der Belichtungsmesser möglicherweise keine genauen Werte an.

Gehen Sie tiefer

Wenn Sie erst einmal in den manuellen Modus hineingeschnuppert haben, werden Sie ihn vielleicht lieben und tiefer gehen wollen. Sie werden sich im Umgang mit Ihrer Kamera wohler fühlen, und vielleicht sind Sie erstaunt über die kreativen Möglichkeiten, die sich Ihnen bieten, wenn Sie besser verstehen, wie ISO, Blende und Verschlusszeit die Bilder beeinflussen, die Sie aufnehmen.

Um weitere Grundlagen der Fotografie zu erlernen, wie z. B. die Beherrschung des manuellen Modus, Beleuchtung, Posing und Komposition, besuchen Sie unsere Workshops Fotografie 101 & Beleuchtung 101.

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