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In der neuen Studie untersuchten die Forscher die Fähigkeiten der gemeinsamen Aufmerksamkeit bei 10 Monate alten Säuglingen. Gemeinsame Aufmerksamkeit bedeutet, dass man auf dieselben Objekte und Ereignisse achtet wie andere Menschen, was sowohl für das Erlernen der Umwelt als auch für die Sprachentwicklung von entscheidender Bedeutung ist.

„Wenn der Elternteil den Anstoß gibt, reagiert das Kind auf die gemeinsame Aufmerksamkeit – zum Beispiel, wenn es dem Blick des Elternteils folgt, um ein Objekt zu betrachten. Wenn das Kind die Initiative ergreift, spricht man von einer Initiierung der gemeinsamen Aufmerksamkeit. Indem es beispielsweise auf etwas zeigt oder seine Stimme erhebt, kann das Kleinkind die Aufmerksamkeit des Erwachsenen lenken und seine unmittelbare soziale Umgebung so gestalten, dass sie seinen Bedürfnissen und Interessen entspricht. Noch bevor Säuglinge auf etwas zeigen oder sprechen können, nutzen sie ihre Augenbewegungen, um die Eltern zu beeinflussen, indem sie abwechselnd auf das Gesicht der Eltern und auf Objekte blicken, die ihre Aufmerksamkeit erregt haben. In der aktuellen Studie wurde diese besondere Art des präverbalen kommunikativen Verhaltens im Säuglingsalter untersucht“, sagt Pär Nyström, Forscher am Institut für Psychologie der Universität Uppsala und einer der Autoren der neuen Studie.

In die Studie wurden Säuglinge einbezogen, die ein älteres Geschwisterkind mit Autismus hatten. Die meisten dieser Kinder entwickeln sich typisch, doch die Wahrscheinlichkeit, dass später Autismus diagnostiziert wird, ist in dieser Gruppe wesentlich höher als in der Allgemeinbevölkerung. Die Säuglinge wurden in spielerischen Experimenten getestet, die darauf abzielten, verschiedene Arten des gemeinsamen Aufmerksamkeitsverhaltens hervorzurufen. Während der Sitzung wurde mit einem Eye-Tracker gemessen, wohin die Säuglinge blickten.

Die Säuglinge saßen auf dem Schoß ihrer Eltern und blickten dem Versuchsleiter entgegen, als plötzlich eine Lampe zu blinken begann, die scheinbar außer Sichtweite des Versuchsleiters war (siehe Abbildung). Das Licht blinkte 10 Sekunden lang, um dem Säugling die Möglichkeit zu geben, die gemeinsame Aufmerksamkeit zu wecken. Säuglinge, die sich später typischerweise entwickelten, neigten dazu, häufig zwischen dem blinkenden Licht und der Versuchsperson hin- und herzublicken, als ob sie versuchten, deren Aufmerksamkeit zu erregen und diese Erfahrung mit dem Erwachsenen zu teilen. Im Gegensatz dazu zeigten die Säuglinge, bei denen später Autismus diagnostiziert wurde, im Alter von 10 Monaten, einem kritischen Alter für die Entwicklung sozialer Kognition, viel weniger solche kommunikativen Blickwechsel.

„Diese Ergebnisse legen nahe, dass Kinder mit Autismus als Säuglinge selbst nicht so viele Gelegenheiten zum sozialen Lernen schaffen wie andere Kinder. Die Unterschiede waren eher subtil, aber mit moderner Eye-Tacking-Technologie durchaus nachweisbar. Es ist wichtig anzumerken, dass die Ergebnisse nur signifikante Gruppenunterschiede aufzeigten, und es ist noch zu früh, um zu sagen, ob die Methode die Früherkennung in einem klinischen Kontext erleichtern kann“, sagt Terje Falck-Ytter, Associate Senior Lecturer an der Abteilung für Psychologie und am Uppsala Child- and Babylab der Universität Uppsala und Leiter der Studie.

Im Gegensatz zu den Ergebnissen bezüglich der Initiierung zeigte die Studie, dass alle Säuglinge dazu neigten, dem Blick des Experimentators spontan zu folgen. Auffallend ist, dass sie dazu auch dann in der Lage waren, wenn die Versuchsleiterin nur ihre Augen bewegte, während der Kopf unbewegt blieb.

„Die gegensätzlichen Ergebnisse zwischen dem Reagieren auf und dem Initiieren von sozialer Kommunikation können für die künftige Forschung im Bereich der Frühförderung aufschlussreich sein“, sagt Terje Falck-Ytter.

Die Studie ist Teil des größeren Projekts Early Autism Sweden (EASE) (http://www.smasyskon.se), einer Zusammenarbeit zwischen der Universität Uppsala und dem Center of Neurodevelopmental Disorders am Karolinska Institutet (KIND) in Schweden. Die gemeinsamen Aufmerksamkeitsfähigkeiten der Teilnehmer wurden im Alter von 10, 14 und 18 Monaten untersucht. Im Alter von drei Jahren wurde eine vollständige diagnostische Bewertung durchgeführt. Insgesamt nahmen 81 Kleinkinder mit einem älteren Geschwisterkind mit Autismus an der Studie teil, von denen 22 bei der Nachuntersuchung die Kriterien für Autismus erfüllten. Die Studie umfasste auch eine Kontrollgruppe, bestehend aus 31 Säuglingen aus der Allgemeinbevölkerung.

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